Epoche lII
1949
- 1970
Frühe Bundesbahn (D)- und Reichsbahn
(DDR)-Epoche
Voneinander unabhängiger Aufbau
und Modernisierung des Eisenbahnwesens in der Bundesrepublik Deutschland
und der Deutschen Demokratischen Republik.
Phase des Strukturwandels durch den Ausbau des Diesel- und elektrischen
Zugbetriebs und allmähliche Abnahme der Dampflok-Zugförderung.
Entwicklung eines modernen Fahrzeugparks und neuer Sicherungstechnik.

Fahrplan Wutzlhofen Falkenstein 1950

Fahrplan Wutzlhofen Falkenstein Sommer 1959

Fahrplan 1959 |

Streckennetz 1959 |
|
Von den 50er bis 70er Jahren fuhren
drei Personenzüge von Falkenstein nach Regensburg. Der erste Personenzug
(Ankunft in Regensburg gegen 6.20 Uhr) beförderte meist Arbeiter.
Viele von ihn stiegen an der Station Regensburg- Walhallastraße
aus, da sie in dem am Bahnhof liegenden Kalkwerk oder in der Holzfirma
Richtberg arbeiteten. Bei Vorlage eines vom Arbeitgeber abgestempelten
Arbeitsnachweises stellte die Bundesbahn Wochenkarten, in Rezessionszeiten
sogar "Kurzarbeiterwochenkarten" für drei bzw. vier Tage
aus. In den 50er Jahren kauften manche Falkensteiner preisgünstige
Fahrkarten beim Pfarrer Heigl, da dieser die verbilligten Sechser- Kartenblöcke
am Bahnhof im Voraus erwarb und sie dann an die Falkensteiner weiterreichte.
An Samstagen stiegen in den Frühzug auch Marktfrauen aus Roßbach,
Lambertsneukirchen und Wenzenbach mit großen Körben zu. Manche
sollen dann bereits im Zug mit Eiern, Schmalz und Gänsen gehandelt
haben. Mit dem zweiten Personenzug kamen vor allem Verkäuferinnen
und Schüler gegen 7.30 Uhr in Regensburg an. Eine Stunde darauf
lief ein Schienenbus, der ab Wenzenbach nach Aussagen eines Zugführers
stets zu 120% besetzt war. Ein Schienenbus ohne Anhänger brachte
in den 70er Jahren zu später Stunde die Kinogänger von Regensburg
nach Hause zurück.
Daran, daß in den Pendlerzügen zwischen den Fahrgästen
und dem Personal ein "gutes Verhältnis" bestand, daß
man sich kannte, sich fühlte wie "eine große Familie",
wo dem Schaffner hin und wieder "alle Sorgen" erzählt
wurden, erinnern sich heute noch die Eisenbahner von damals.
An den Sonntagen stürmte der Ausflugsverkehr die Züge, insbesondere
den "Schwammerl-Expreß", mit dem Hunderte von Regensburger
zu ihren "Plätzen" eilten. Erwähnenswert sind noch
die Pilgerzüge nach Altötting zu Beginn der 1950er Jahre.
Die Züge waren dermaßen lang, daß sie im Falkensteiner
Bahnhof eine bahnüberquerende Straße blockierten. Den langen
Pilgerzügen wurden jeweils eine Zug- und Schublok beigegeben.
Claus-Jürgen Wincke, der als Siebenjähriger aus dem bombengefährdeten
Hamburg nach Falkenstein kam und heute wieder in Hamburg lebt, erinnert
sich gern an die Jahre, die er dort zwischen 1943 und 1951 verbrachte.
Unvergessen bleiben für ihn in den Kriegsjahren die Abschiedsszenen
am Bahnhof Falkenstein, als die Eltern ihre uniformierten Söhne
zum Bahnsteig brachten. Noch lange winkten sie dem ausfahrenden Zug
nach, bevor sie langsam und traurig wieder heimgingen. Nach Kriegsende
warteten dann die Angehörigen auf die einlaufenden Züge mit
den Kriegsheimkehrern. Stieg der Vater, Sohn oder Bruder mit dem Seesack
auf der Schulter aus, kam Jubel und Freude auf. Wie ein Lauffeuer verbreitete
sich dann die Kunde, welche Männer aus dem Krieg wieder zurückgekehrt
wären.
Der Bahnhof war auch noch Anfang der
1950er Jahre für viele Falkensteiner das Ziel ihres Spazierganges,
um die Ankunft des Abendzuges aus Regensburg zu verfolgen. Die Spaziergänger
beschleunigten im Markt ihre Schritte, sobald sie den Zug pfeiffen hörten.
Der erste Pfiff, vor dem Bahnübergang "Winkling", war
nur sehr leise wahrzunehmen. Der folgende Pfiff ertönte wesentlich
lauter und nach dem dritten schloß sich sofort das Fahrgeräusch
des Zuges an, da er nun den Wald verließ. Sobald der Zug im Einschnitt
hinter dem Friedhof wieder verschwand und bevor er über die Brücke
bei der alten Badeanstalt wieder zum Vorschein kam, verstummten auch
seine Bremsgeräusche.
Claus-Jürgen Wincke erinnert sich noch gut, wie er vom Burgturm
aus den einlaufenden Zug beobachten und das Pfeiffen der Dampflokomotive
hören konnte. Dem Schüler fiel damals auf, daß der Pfeiffton
wesentlich später als das Austreten des Dampfes aus der Dampfpfeiffe
der Lokomotive zu vernehmen war.
Die Pfeiffsignale der Lokomotiven und Triebwägen hatten natürlich
ihre Bedeutung. So kreuzte zum Beispiel ein Güterzug den nach Regensburg
fahrenden Mittagstriebwagen an der NE-1-Trapeztafel. Der wartende Güterzug
gab ein Pfeiffsignal und der Triebwagenführer am Bahnhof Falkenstein
gab durch ein weiteres Pfeiffsignal zu erkennen, daß der Güterzug
einlaufen könne. Diese Pfeiffsignale ertönten auch bei Zugbegegnungen
in Roßbach oder in Hauzendorf.
Zum abendlichen Straßenbild Falkensteins gehörten die Eisenbahner
in ihrer Uniform. Das Personal der letzten beiden Abendzüge übernachtete
nämlich im Bahnhofslokschuppen. Doch vorher führte der Weg
erst einmal zum Markt, um dort vielleicht ein Glas Bier zu trinken.
Herrschte im Sommer in Falkenstein Wasserknappheit, so konnte die Dampflokomotive
nicht am Wasserkran neben dem Lokschuppen Wasser fassen. Es wurde dann
ein zusätzlicher Wasserkran in der Nähe des Schwimmbades errichtet,
aus dem das Wasser für die Dampflokomotive entnommen wurde. Wincke
erinnert sich noch sehr genau, daß man auf diesen schwarzgestrichenen
Rohren, in denen das Wasser zum Wasserkran gepumpt wurde, sehr gut sitzen
konnte. Die Rohre wurden richtig heiß, wenn die Sonne stundenlang
darauf schien, aber sie erkalteten abrupt in dem Moment, wann die Lokomotive
mit Wasser gespeist wurde.
In den Zügen am Morgen hatte jeder Pendler seinen Stammplatz. Im
Vorderteil des ersten Eisenbahnwagens saßen stets die Nichtraucher.
Während auch die Inhaber von Wochen- und Monatskarten die Bahnsperre
passieren mußten, konnte ein Fahrgast immer über den Bahnübergang
frei zum Bahnsteig treten. Er, Herr Karl Köstler, arbeitete nämlich
bei der Bahn in Regensburg und war dem Bahnhofspersonal, das sonst die
Fahrkarten lochte, persönlich bekannt. Herr Köstler war ein
sehr geselliger Fahrgast und schreckte während der Fahrt manche
Kinder: "Holt'di fest, jetzt kimmt der Graben !"
Zu den täglichen Fahrgästen
im zweiten Frühzug zählten auch die Arbeiter der Gleisrotte.
Der Streckengeher, Herr Wasulewski, war regelmäßig in diesem
Zug zu sehen.
In Regensburg beobachtete der "Fahrschüler" Claus-Jürgen
Wincke immer wieder das Ankuppeln der Dampflokomotive an den Personenzug.
Den jungen Rangieranwärtern wurde dabei gesagt, das Falkensteiner
"Bockel" nicht zu eng zu kuppeln, denn die zahlreichen Kurven
der Strecke würden eine lockere Hängung erfordern.
Nicht weniger bedeutend als der Personenverkehr war der Güterverkehr.
Nach 1945 brachten die Güterzüge Braunkohle aus Aachen und
aus der späteren DDR, Kunstdünger, Kalk, Baumaterialien, Landmaschinen
und in einem eigenem Waggon Petroleumfässer und anderes Feuergut.
Zurück nahmen die Güterzüge Langholz, Steine, Getreide,
Kartoffel und v. a. Vieh. In den Sommermonaten standen Hunderte mit
Heidelbeeren oder Pfifferlingen gefüllte Körbe auf den Bahnhofsrampen
und warteten auf ihre Reise in deutsche Städte.
Bis 1965 lief am Zug ein unbemannter einachsiger Postanhänger mit.
An den Bahnhöfen warteten dann die Postverteiler auf ihre Post.
Zwei Eisenbahner erinnern sich, was an den einzelnen Bahnhöfen
so verladen wurde. Vom Großviehmarkt in Falkenstein gingen Viehladungen
bis nach Frankfurt. Die Viehhändler kauften in der Umgebung Ochsen
auf und verschickten sie dann in zwei bis drei Waggons. Für den
Viehtransport um 17 Uhr standen die Viehhändler bereits um 15 Uhr
am Bahnhof, wo sie das Vieh markierten und dann durch ein Gatter über
eine Ladebrücke von der Viehverladerampe in die Waggons verluden.
Meist waren es sehr alte Waggons mit Flachdach, die für die Viehtransporte
verwendet wurden. Abspreitzbügel innerhalb des Waggons sollten
das Verrücken der Viehladung verhindern. Am Montag wurde Kleinvieh,
am Dienstag Großvieh in die Viehkurswagen verladen. Schweinen
soll hin und wieder die Flucht vor der Bahnfahrt in den Regensburger
Schlachthof kurzzeitig gelungen sein. Einem Stier redete man einmal
in Falkenstein zwei Stunden vergebens zu, den Waggon zu besteigen. Als
jedoch die Betriebssirene der angrenzenden Feuerlöscher- Fabrik
nach der Mittagspause ertönte, flüchtete das Tier in schnellen
Sätzen in den Zug.
In Falkenstein standen zwei Lagerhäuser am Bahnhof. Das Lagerhaus
Griesbeck, 1979 durch einen Brand zerstört, betrieb u. a. die saisonale
Verfrachtung der Waldfrüchte. Das Lagerhaus Griesbeck hatte mit
der Deutschen Bundesbahn einen Vertrag geschlossen, daß jede Beerenfracht
innerhalb 24 Stunden jede beliebige Stadt in Deutschland erreichen müsse.
Anfang der 1950er Jahre verließen zu Spitzenzeiten drei bis vier
mit Heidelbeeren und Pfifferlingen beladene Waggons den Bahnhof. An
einem Tag wurden einmal 128 Zentner Pfifferlinge und 1500 Eimer zu je
10 Kilogramm Heidelbeeren verladen. Mit Angst erwartete man in Regensburg
den Falkensteiner Triebwagen, der dort umzuladen war.
Das Lagerhaus der Baywa dagegen handelte mehr mit Landmaschinen, Weizen
und Kohlen. In Falkenstein befand sich eigens eine Kopf- und Seitenrampe,
auf denen die neu angekommenen Dreschwägen und Heuwender ebenerdig
von den Waggonladeflächen gefahren werden konnten. Die Baywa bezog
auch Kalk, der in geschlossenen Waggons unverpackt ankam. In den Jahren
1950 bis 1965 wurden v.a. auch die Bavaria-Feuerlöscher der Firma
Loos verladen, die ihre Fabrik unmittelbar gegenüber dem Bahnhof
hatte. Ebenfalls für den Abtransport wartete das auf dem Holzlagerplatz
liegende Holz. Es war meist als bereits nach Maßen geschnittenes
"Stempelholz" am Bahnhof angelangt, wurde dort mit Schnitteisen
geschält und dann verladen. Eine Gleiswaage und ein "Profilgalgen"
(= Lademaß) waren dafür vorhanden.
Ein einmaliges Ereignis in den Kriegsjahren des 1. Weltkrieges war wohl
der Abtransport eines abgestürtzten Flugzeuges aus Falkenstein.
Auf dem Freiladegleis in Falkenstein wurden weitere Güterwaggons
abgestellt, z. B. die Kohlenwaggons, die für die Brauerei WiesenfeIden
gedacht waren.
Selten kam in Falkenstein ein Kesselwagen an, erst als die Nachfrage
nach Heizöl einsetzte, war hin und wieder einer zu leeren. Noch
seltener war ein Kühlwagen zu sehen, man erinnert sich, daß
einmal um 1955 ein Kühlwagen mit halb verrotteten Bananen auf dem
Bahnhof von Falkenstein stand. Einem Güterzug waren fünf Männer
zugeteilt: Der Lokführer (mit Heizer bei Dampflokomotiven) und
der Güterzugführer mit Rangierer, Hemmschuhleger und Ladeschaffner,
die im Güterzug-Packwagen mitfuhren.
In Falkenstein kamen die Züge mit dem Schornstein voraus an, fuhren
dann aber mit dem Kohlenkasten voran nach Regensburg zurück, da
sie am Bahnhof nicht wenden konnten. Auf dem Bahnhofsgelände von
Falkenstein lagen vier Bahngleise. Der Zug fuhr auf dem Streckengleis
ein. Im Empfangsgebäude meldete der Zugführer den Zug an.
Dann folgte das Zerlegen des Güterzuges. Mit dem Güterpackwagen
wurde die Lok vom Güterzug abgekoppelt. Der Packwagen wurde auf
Gleis 4 abgestellt. Die Lok umfuhr dann den Zug, setzte sich hinten
an und begann mit dem Rangieren, das rund 30 Minuten bei einem gut bestückten
Güterzug dauerte. Zwei Männer mußten mit Fähnchen
den Bahnübergang absichern, wenn Güterwaggons zum Baywa Lagerhaus
geschoben wurden. Die wichtigste Weiche war in Falkenstein die Weiche
Nr. 13. Abergläubische geben dieser Weiche die Schuld der später
vorgenommenen Streckenauflösung. Im Falkensteiner Bahnhof taten
der Bahnhofsvorstand (u. a. Reis, Schuba, Seelig, Schambeck) und drei
Bedienstete ihre Arbeit. Sie verkauften Fahrkarten, schrieben die Frachtzettel,
bewerkstelligten die Güterhallenauslieferung oder kurbelten Waggons
auf die Waage. Mit dem Expressgutverkehr kamen meist Maschinenersatzteile,
Sauerstoff- und Gasflaschen an. Die übrigen Frachten wurden als
Stückgut befördert. Übrigens konnten damals drei Gogomobile
auf einem Eisenbahnwaggon verfrachtet werden, bei dieser Mengenbestellung
übernahm damals die betreffende Herstellerfirma die Frachtkosten.
Eine in Falkenstein über Nacht abgestellte Dampflokomotive wurde
in Ruhefeuer gehalten, ein erneutes Startheizen hätte zu lange
Zeiten benötigt und außerdem die Stehbolzen des Kessels durch
die physikalischen Kälte-Hitze-Spannungen stark beansprucht. Vorher
wurde die Dampflokomotive über die mit Wasser gefüllte Löschgrube
gefahren, wo die Schlacke abgelassen wurde.
Der Bahnhof in Gfäll, von einem Mann betrieben, war der längste
aller auf der Strecke befindlichen Bahnhöfe. In Gfäll wurden
hauptsächlich Vieh und Schwarzbeeren verladen. Der Güterverkehr
des Haltepunktes Schillertswiesen wurde über den Bahnhof Falkenstein
abgewickelt. Am Bahnhof Hetzenbach wartete Vieh und Holz auf seine Verladung.
Auf dem im Forst liegenden Verladegleis wurde nur Langholz verladen.
Ein großer Verladebahnhof war Roßbach. Vieh, Holz, Getreide
und vor allem Steinladungen der drei Steinbrüche verließen
den Bahnhof. Granitblöcke wurden mit Kränen, Pflastersteine
mit der Hand von den Rollwägen der 2400 Meter langen, firmeneigenen
Feldbahn auf die Güterwaggons verladen. Schotter fiel direkt vom
Förderband in die Waggons. Im Jahr 1935 stechen die enormen Wagenladungen
"für Zwecke der Reichsautobahnen" ins Auge. Ganze 8743
Tonnen Steine verließen für Hitlers Hochbauten den Ort Roßbach.
Ein Eisenbahner kann sich noch gut an die 1. Maifeier erinnern, als
die Nazifunktionäre von einem Potest auf der Güterhallenrampe
große Reden zu schwingen pflegten.
Während auf der einen Seite der Bahn die Steinverladung abgewickelt
wurde, lagen auf der anderen Seite die Holzladungen der Firma Richtberg,
die in der Umgebung große Waldbesitzungen hatte.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit ging ein Waggon mit 50-Liter-Milchkannen
nach Regensburg, denn die Bauern waren verpflichtet, Milch an das Milchwerk
Regensburg zu liefern.
Bei Roßbach verlief die "Schwarzbeerengrenze", am Bahnhof
standen oft 50 Eimer Schwarzbeeren, die die Händler den pflückenden
Frauen abgekauft hatten. Erwähnenswert ist noch, daß das
Kloster Reichenbach wöchentlich eine Kohlenladung für seine
Brauerei und Wäscherei erhielt. Die Kohlen schafften dann Behinderte
der Anstalt auf Pferdefuhrwerken weg.
In Hauzendorf erhielt das Baywa-Lagerhaus durch die Bahn Kohlen und
Landmaschinen. Vieh, Getreide und Kartoffeln dagegen verließen
den Bahnhof. In Erlbach wurde Flußspat verladen.
Abschließend ist festzuhalten, daß über 60 Jahre die
gleichen Güter mit der Lokalbahn transportiert wurden, die Pfarrer
Kilger bereits im Jahr 1907 als wünschenswert und lebensnotwendig
für die Gegend in seinem Bittgesuch aufführte.
Bilder Teil 6 |
Bilder Teil 7 |
|

zur Galerie aller Bilder
aus Epoche 3