Epoche lI
1920
- 1950
Reichsbahn-Epoche
Übernahme der deutschen Eisenbahnen
durch das Reich.
Entwicklung von Einheitsbauarten für Lokomotiven und Wagen. Ausbau
des elektrischen Zugbetriebs und Weiterentwicklung der Triebwagen.
Vereinheitlichung der Bau- und Betriebsvorschriften sowie der Fahrzeuganstriche
und -anschriften.
Vielfalt im Fahrzeugpark durch Fahrzeuge der Epoche l.

Fahrplan Wutzlhofen Falkenstein 1920

Fahrplan Wutzlhofen Falkenstein Sommer 1935

Fahrplan Wutzlhofen Falkenstein 1939

Kursbuch Deckblatt 1935 |
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Der Betrieb
In den 70 Jahren ihrer Betriebszeit widerfuhr der Lokalbahn Wutzlhofen-Falkenstein
manche Veränderung. Die Eindrücke und Erinnerungen ehemaliger,
aktiver Eisenbahner sollen hier für sich sprechen.! Lok-, Zugführer
und Bahnhofsvorsteher erinnern sich heute noch an die "wunderschöne
Strecke", die sie "gerne hintergefahren " sind.
Das Personal, stets Männer, anfangs in die roten königlichen
Eisenbahnuniformen gekleidet, verrichtete stolz und gewissenhaft seinen
Dienst in den Bahnhöfen, in den Zügen und auf den Strecken.
Fahrdienstleiter machten bis in die 70er Jahre ihre "Zug Ankunftsmeldungen"
in den Bahnhöfen Wutzlhofen, Bernhardswald, Hauzendorf, Roßbach
und Falkenstein.
Die Rufzeichen des Streckentelephons waren:
Wutzlhofen -
Wenzenbach *-
Bernhardswald **-.
Hauzendorf ***-
Roßbach-Wald -***
Hetzenberg -**
Gfäll -*
Falkenstein --
Das Zugpersonal konnte in den Wohnräumen des Falkensteiner Lokschuppen
und später nach Auflösung der Diensträume im Bahnhof
selbst übernachten. Die für die Strecke zuständige Bahnmeisterei
wurde 1929 aus Falkenstein abgezogen und verlegte darauf mehrmals ihren
Sitz.
Erst um 1980 kurz vor der Streckenstillegung übernahmen Frauen
im Stundenangestelltenverhältnis den Fahrkartenverkauf für
kurze Zeit, bis die Fahrkartenautomaten sie verdrängten.
Damit der Zug zu Wochenbeginn die Pendler nach Regensburg bringen konnte,
fuhr in den 70er Jahren bereits am Montag um 4 Uhr früh eine Leergarnitur
nach Falkenstein. Hatte es geschneit, mußte bereits am Sonntagnachmittag
eine Schneefräse die Strecke freimachen. Nur selten kam es vor,
daß ein Zug im Schnee steckenblieb, wie es im Winter 1941 geschah,
als bei Roßbach ein Zug vom Arbeitsdienst freigeschaufelt werden
mußte. Problematischer für das Lokpersonal waren trockene
Jahreszeiten, wenn die Wasserquellen zum Auffüllen der Dampflokomotiven
versiegten. Man schleppte dann eigens einen Wassertender von Regensburg
nach Hauzendorf und Roßbach. Eine Lokomotive mußte auf dieser
Strecke unterwegs zweimal mit Wasser betankt, aber nie bekohlt werden,
auch wenn in Falkenstein ein fünf Meter hoher, diebstahlsicherer
Kohlenbunker für alle Fälle vorhanden war.
Für den Personenverkehr fuhren bis Ende der 40er Jahre morgens
zwei Pendlerzüge von Falkenstein nach Wutzlhofen, bzw. Regensburg,
abends zwei Züge zurück. Anfangs waren an die Personenzügen
auch die Güterwagons gekoppelt, was beim Rangieren an den Haltestellen
sehr viel Zeit kostete. In den 20er Jahren fuhren dann eigenständige
Güterzüge. Eine weitere Verbesserung war, daß die Personenzüge
bis Regensburg durchfuhren, was das Umsteigen in Wutzlhofen ersparte.
Dennoch dauerte die einfache Fahrzeit von Falkenstein nach Regensburg
2 Stunden 13 Minuten (Kursbuch 1946). Die Höchstgeschwindigkeit
betrug in den späteren Jahren nicht mehr als 50 km/Stunde.
Eine erhebliche Verkürzung der Fahrzeit für Personenzüge
sollte der Einsatz von dieselbetriebenen Triebwägen bringen. Im
Jahr 1932 befuhren die ersten Triebwägen die Strecke nach Falkenstein.
Aber bereits im August 1939 fuhren wieder Dampfloks, als zur Einsparung
von Verbrennungskraftstoff für kriegerische Zwecke die Triebwägen
wieder aus dem Verkehr gezogen wurden. Erst in den 1960er Jahren waren
die Triebwägen wieder auf dieser Strecke zu sehen.
Touristische Erwartungen
Gerade der Tourismus sollte große,
wirtschaftliche Impulse für die Gegend bringen. So wurden während
des Bahnbaues bereits manche Gasthäuser und Unterkünfte renoviert
und an den neuen Erfordernissen ausgerichtet. Am Bahnhof Hetzenbach
entstand ein neues Gasthaus mit Aussichtsturm. Hetzenbach, so meinte
der Regensburger Anzeiger, habe als Luftkurort mit seiner hohen Lage,
seiner staubfreien Luft und dem weiten Staatswald "Hochholz"
eine Zukunft. Prachtvolle Granitsteingruppen wie der "Tannenfels"
würden zu beliebten Wanderzielen werden. Auch die Aussicht in den
oberen und mittleren Bayerischen Wald und auf die Oberpfälzer Berge
sei von "ungeahnter Schönheit". Aufgabe des Waldvereins
sei es, diese "natürliche Aussichtswarte" für die
Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dazu biete sich als Bedarfshaltestelle
für den Personenverkehr die Holzladestelle des Königlichen
Forstärar zwischen Hetzenbach und Schillertswiesen an.
Gesuch des Waldvereins 1913 |
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Falkenstein selbst zählte schon
um die Jahrhundertwende zu den schönsten Sommerfrischen des Bayerischen
Waldes. Zu jener Zeit war der Luftkurort allerdings nur von den jeweils
15 km entfernten Bahnstationen Wöhrd a.D. und Roding zu erreichen.
Falkenstein bot dem Erholungssuchenden mächtige Waldungen, kalte
und warme Bäder, Jagd, Fischerei und Spaziergänge in großartigen
Natur- und Felsenparkanlagen.
In den 20er Jahren, mitten in der Natur und Wanderbewegung, preisen
eine ganze Reihe von Wanderführern und Fremdenverkehrsheften diese
reizvolle Gegend. Initiator und Herausgeber dieser Publikationen war
meist die Sektion Regensburg des Bayerischen Waldvereins. Der Waldverein
Regensburg unterstützte im Jahr 1924 auch die Herausgabe von Gottfried
Hubers umfangreichen Wanderführer durch Falkenstein und Umgebung.
Dieser umfaßte 70 Seiten und er ließ zum ersten Mal die
Wanderrouten von den Bahnhöfen der Bahnlinie Wutzlhofen-Falkenstein
ausgehen.
Illustrierter Führer durch Falkenstein 1924 |
Führer durch die Umgebung von Regensburg |
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Huber verstand seinen Wanderführer
als Werbeschrift für den Vorderen Bayerischen Wald zwischen Regen
und Donau einer Gegend, die auf Grund ihrer landschaftlichen Schönheiten
noch mehr Touristen verdiente. Hier könnten die Fremden "herrliche,
romantische Waldpartien und liebliche Täler, die ungezählten
Reste einer reichen Kultur und einer großen Vergangenheit"
vorfinden. Auf gut gebauten Wegen, schrieb Huber, "wandert es sich
ganz prächtig" zu den "windumrauschten Höhen"
und durch die "von kräftiger Nadelluft erfüllten Waldungen".
Er hielt fest, daß durch die neue Eisenbahn Regensburg-Wutzlhofen-Falkenstein
nun der schönste Teil des Bayerischen Vorwaldes für den allgemeinen
Verkehr erschlossen sei und daß dem Ort Falkenstein in Sachen
Sommerfrische und Wintersport eine große Zukunft gesichert sei.
Die Schriften des Verkehrsvereins Regensburg oder des Verkehrsverbandes
Nordbayern hoben in den 20er Jahren ebenfalls den Reiz Falkensteins
und seiner Umgebung hervor. Auch sie weisen auf die Nebenbahn hin, die
eine Fahrt nach Falkenstein oder zu den anderen Orten als lohnenden
Tagesausflug ermöglichte.
Besonders die schöne unberührte Natur um den Burgberg oder
im Höllbachtal zog die Menschen nach Falkenstein. "Steine
von mancherlei Größe und Form", so heißt es, "und
mächtige Felsblöcke liegen wie bunt durcheinander gewürfelt
umher. Über allem steht ein urwüchsiger Hochwald aus Eichen,
Buchen, Linden, Ulmen, Fichten und Tannen, dazwischen wächst das
seltene Leucht- und das duftende Veilchenmoos."
In dieser Idylle, weitab vom Lärm der Großstadt, fanden viele
Regensburger Erholung und Entspannung, bevor sie dann mit dem Abendzug
die rund zweistündige Rückfahrt wieder antraten.
Aber auch weitergereiste Fremde - aus Berlin, West- und Norddeutschland
- besuchten den beliebten Ferienort. Manche Schaffner klärten die
Gäste bereits im Zug über Landschaft, Wanderwege und Gasthäuser
mit guten "Brotzeiten" auf. Die ersten "Fernreisenden
" waren übrigens "Hamsterer" aus dem Ruhrgebiet,
die nach Kriegsende wegen eines Sackes Kartoffeln nach Falkenstein kamen.
Einer der letzten Wanderführer, der die Bahnhöfe der Lokalbahn
als Ausgangspunkte für Wanderungen anführte, war die Jubiläumsausgabe
des Waldvereins im Jahr 1953. Es war allerdings bereits die Zeit, in
der Wanderer und Fremde mit den ersten Privatautos kamen, angebrochen.
Viele Regensburger wußten den Reiz der Bahnstrecke noch bis in
die 60er Jahre zu schätzen. Dann stiegen auch sie in ihre neuerworbenen
Privatautos um und steuerten am Sonntag andere Ausflugsziele an. Heute
bringt der Radwanderweg einigen Orten auf der alten Bahntrasse ein touristisches
Comeback.